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Terraforming-AG des Max-Planck-Gymnasiums erforscht Pflanzen bei einem unbemannten Stratosphären-Flug

Wer am Donnerstag, den 18.06.2026 gegen Mittag in Gelsenkirchen-Buer in den Himmel geschaut hat, konnte mit etwas Glück ein ungewöhnliches Gespann aus einem Wetterballon, einem Fallschirm und einer Experimentier-Kapsel entdecken, das vom Schulhof des Max-Planck-Gymnasiums aus gestartet war. Mit dem Stratosphärenflug, den Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis Q1 mit ihrem Lehrer organisiert hatten, wollten diese einer Frage auf die Spur kommen, die auch zum Beispiel das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschäftigt: Welche Herausforderungen kommen auf Pflanzen zu, die auf Raumstationen oder an anderen extrem isolierten Orten kultiviert werden sollen.

Die Idee, Pflanzen und ihre Bedürfnisse in der Stratosphäre zu untersuchen, entstand im vergangenen Jahr im Unterricht der Einführungsphase am MPG. Die Idee, eine AG zu gründen, um gemeinsam ein solches Großprojekt umzusetzen, hatte schließlich der Referendar Karl Helbig, der über Kontakte zudem Messgeräte aus einem DLR-Schülerlabor in Bremen organisieren konnte, das von Beginn an die Idee mit unterstützte. Schnell wuchs das Team um Spezialisten aus der gesamten Schulgemeinde an, so kümmerte sich ein Team aus der fünften und neunten Klasse um die Pflege der Pflanzen, deren Auswahl sich am DLR-Projekt „Eden“ orientierte. Zwei Schüler der Oberstufe, die bereits an einem Projekt der Firma Stratoflights teilgenommen hatten, übernahmen die Sammlung des Materials und koordinierten die verschiedenen Teams, die sich in wöchentlichen Treffen auf den Start im Juni vorbereiteten.

Besonders kniffelig war es, einen passenden Startzeitpunkt zu finden, wobei eine Gruppe an Schülern der achten und neunten Klasse auf die historischen Wetterdaten der schuleigenen Wetterstation zurückgreifen konnte. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Eltern konnte auch das Material für die Forschungskapsel beschafft werden, die zum größten Teil aus recyceltem Material bestehen sollte. Sie beherbergte während des Fluges neben den Pflanzen und der Sensorausstattung auch zwei Kameras, bereitgestellt unter anderem mit freundlicher Unterstützung des Medienzentrums Gelsenkirchen, und ein Ortungsgerät, mit dem die AG die Kapsel nach ihrer Rückkehr zur Erde wiederfinden konnte.


Eine kreative Aktion der Schülerinnen und Schüler ermöglichte es buchstäblich der Schulgemeinde selbst auch mit der Kapsel in die Stratosphäre zu fliegen: An einem von der AG betriebenen Aktionsstand in der Pausenhalle hatten Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte die Möglichkeit, sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Ich war im Weltall“ fotografieren zu lassen, wobei die Fotos ihren Weg in die Kapsel fanden und damit tatsächlich den Weg in Richtung Weltall bestritten. Auch schloss sich die Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus“ des MPG dem Projekt an, um im Rahmen der laufenden „Pride Week am MPG“ durch Versendung eines Wimpels in die Stratosphäre ein Zeichen für mehr Vielfalt und Toleranz zu setzen.

Nachdem der Start auf Grund eines technischen Problems einmal verschoben werden musste, versammelte sich die Schulgemeinde am 18.06.26 um 12 Uhr auf dem Schulhof. Bei bestem Wetter und begleitet von einem Countdown der Schulgemeinde machte sich der Ballon schließlich auf den Weg in die Stratosphäre. Sein Steigflug führte ihn über Recklinghausen ostwärts bis auf eine Höhe von 35.478 Metern und damit mehr als dreimal so hoch wie die meisten Flugzeuge, wo er schließlich platzte. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Außentemperatur in der Stratosphäre eisige -55 Grad Celsius, wobei die Pflanzen durch mehrere Lagen Styropor so geschützt waren, dass interne Thermometer deutlich höhere Temperaturen anzeigten. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 116 km/h flog die Kapsel im Sinkflug bis nach Hamm im östlichen Ruhrgebiet, wo sie schließlich nach 3 Stunden Flugzeit in den Auen der Lippe landete und geborgen werden konnte.


Mit dem Stratosphärenflug zeigten die Schülerinnen und Schüler, dass mit guter Zusammenarbeit über alle Jahrgangsstufen hinweg auch komplexe, spannende Forschungsprojekte am Rande des Weltalls möglich sind. In den kommenden Wochen werden die Schülerinnen und Schüler die Daten auswerten und die beteiligten Pflanzen systematisch beobachten, um daraus Erkenntnisse ableiten zu können.