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Spannend, düster und bedrückend: „Das Camp“ feiert begeisterte Premiere

Nichts für schwache Nerven war die aktuelle Produktion des Darstellenden Spiel-Kurses des 10. Jahrgangs am Max-Planck-Gymnasium, die am Donnerstagabend in der Aula Premiere feierte.

Der Titel des Stückes mag zunächst harmlos nach Feriencamp oder Klassenfahrt klingen, damit hat das Stück von Andreas Galk aber nichts zu tun. Denn die Handlung spielt in einem Bootcamp, einem Erziehungslager für straffällig gewordene junge Mädchen, das von der Leiterin Miss Hudson und ihren Aufseherinnen und Aufsehern mit harter Hand geführt wird. Auch unter den Mädchen herrscht ein grober Umgang, wie die 15-jährige Lucy Scott bei ihrem Einzug ins Camp erfahren muss.

Einzelhaft, extreme physische und psychische Belastungen, Folter mit Elektroschocks: Es ist das alte Spiel von Macht und Unterwerfung, bei dem sich die Starken sadistisch am Leid der Schwachen ergötzen und ihre Position als Überlegene schamlos ausnutzen. Und diese Hackordnung zieht sich bis zum letzten Glied der Kette weiter, sodass die „Neue“ von den Älteren drangsaliert und schikaniert wird und schnell lernen muss: „Du hilfst niemandem und niemand hilft dir.“

Während die Camp-Geistliche Reverend Nicholson als einzige für mehr Menschlichkeit plädiert, scheinen die anderen Aufseher entgegen aller Aussagen eine perfide Freude an ihrer Arbeit zu haben. Als Miss Hudson am Tage ihrer Abwesenheit ausgerechnet Mister Stringer die Lagerleitung überlässt, eskaliert die Situation und es kommt zu zwei Todesfällen.

Andreas Galk ist dafür bekannt, in seinen (Jugend-)Stücken die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Heranwachsenden zu thematisieren. Hier, beim „Camp“, sind es jedoch nicht nur fragwürdige Erziehungsmethoden oder die psychische Unversehrtheit, die auf dem Spiel steht, sondern das Leben der Protagonistinnen als solches.

Die jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler schafften es, die Spannung Stück für Stück glaubhaft aufzubauen. Bedrückend, authentisch und intensiv gespielt, gelang es dem dreizehnköpfigen Ensemble die düstere Atmosphäre im Camp umzusetzen. Dazu trug auch die minimalistische Kulisse, bestehend aus leeren Mineralwasserkisten, und die Inszenierung von Kursleiter und Regisseur Jörg Wickermann bei.

„Das Camp“ bot keine leichte Kost, sondern hartes Gegenwarts-Theater und ließ das Publikum vor fast vollem Haus ebenso bedrückend wie begeistert zurück.