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Maria Fernanda Tacas Muñoz: Mein Austauschschuljahr in Deutschland und am MPG

Seit Beginn des aktuellen Schuljahres war Maria Fernanda Tacas Muñoz, genannt Fer, als Austauschschülerin am MPG. Sie hat nun gegen Ende ihres Aufenthalts einen umfangreichen Bericht über ihre Erlebnisse in Deutschland und an unserer Schule geschrieben. Wir wünschen ihr für ihren weiteren Lebensweg alles Gute und freuen uns, dass sie ein Teil unserer Schulgemeinschaft war.

Wie fasst man ein Jahr zusammen, das mein Leben komplett verändert hat? Vor zwei Jahren entstand in mir der Wunsch, einen Schüleraustausch zu machen. Von Anfang an fand ich die Idee sehr spannend, in einem anderen Land zu leben, eine neue Kultur kennenzulernen und eine andere Sprache zu lernen. Gleichzeitig hatte ich aber auch große Angst. Die Vorstellung, meine Familie, meine Freunde und mein ganzes Leben in Peru für ein Jahr zu verlassen, erschien mir sehr schwierig. Oft zweifelte ich daran, ob ich wirklich dazu in der Lage bin. Schließlich fasste ich den Mut, mich für das Austauschprogramm von Rotary zu bewerben. In den Vorbereitungsmonaten besuchten wir verschiedene Treffen, bei denen ehemalige Austauschschüler von ihren Erfahrungen berichteten und uns Ratschläge für das kommende Jahr gaben. Damals dachte ich, dass mich diese Gespräche gut auf alles vorbereiten würden.

Heute weiß ich, dass ich mich geirrt habe. Niemand kann dich wirklich auf ein Jahr im Ausland vorbereiten. Man kann viele Geschichten hören, Tipps bekommen und sich vorstellen, wie der Austausch sein wird, aber erst wenn man sich von seiner Familie verabschiedet, in ein Flugzeug steigt und in einem völlig neuen Umfeld ankommt, versteht man wirklich, was es bedeutet, ganz von vorne anzufangen. Als es an der Zeit war, das Gastland zu wählen, hatte ich mehrere Optionen, aber Deutschland hat mich von Anfang an besonders interessiert. Ich war fasziniert von der technologischen Entwicklung, dem Schulsystem und der Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Als ich die Nachricht bekam, dass ich nach Deutschland gehen würde, war ich unglaublich glücklich. In diesem Moment stellte ich mir viele neue Abenteuer vor, ohne zu wissen, wie sehr dieses Jahr mich verändern würde.Meine Reise begann mit der Ankunft am Flughafen in Düsseldorf. Ich erinnere mich an eine Mischung aus Freude, Nervosität und Neugier. Alles war neu für mich. Kurz danach lernte ich meine Gastfamilie kennen, und sie haben mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen. Ein großer Vorteil war, dass ich eine Gastschwester hatte, die Spanisch sprach. Dadurch waren die ersten Tage viel einfacher für mich, da ich mich besser verständigen konnte, solange mein Deutsch noch nicht so gut war. Mit der Zeit fühlte ich mich nicht mehr wie ein Gast, sondern wie ein Teil der Familie.

Eine der wichtigsten Erfahrungen war der Schulbeginn in Deutschland. Die Schule hat mich sehr beeindruckt. Die Infrastruktur, die Naturwissenschaftlichen Räume, die technische Ausstattung und die Art des Unterrichts waren ganz anders als in Peru. Ich war überrascht, welche Möglichkeiten die Schülerinnen und Schüler hier haben und wie viel Selbstständigkeit von ihnen erwartet wird. Am Anfang war die Sprache eine große Herausforderung, aber mit der Zeit verbesserte sich mein Deutsch stark, und ich fühlte mich immer sicherer im Unterricht und im Umgang mit meinen Mitschülern und Lehrern. Eine der größten Herausforderungen meines Austauschs war die Sprache. Am Anfang fiel es mir schwer, vieles zu verstehen und mich zu verständigen, was alltägliche Situationen oft kompliziert machte. Außerdem habe ich gelernt, meine Probleme selbst zu lösen. Wenn man sich für einen Austausch entscheidet, muss man sich bewusst sein, dass Mama und Papa nicht da sind, um einem bei allem zu helfen. Anfangs war das schwierig, aber mit der Zeit wurde ich selbstständiger und sicherer in mir selbst.

Trotz vieler schöner Erlebnisse gab es auch schwierige Momente. Ich habe meine Familie und meine Freunde in Peru sehr vermisst. Mit der Zeit habe ich jedoch eine Routine in Deutschland aufgebaut. Plötzlich waren der Schulalltag, die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die deutsche Sprache und das Leben mit meiner Gastfamilie ganz normal für mich geworden. Und es ist schon merkwürdig: Gerade wenn man sich daran gewöhnt hat und Deutschland sich wie ein Zuhause anfühlt, wenn man Freunde gefunden hat, die Sprache versteht und eine feste Routine hat, merkt man, dass das Jahr sich dem Ende zuneigt. Das war einer der ungewöhnlichsten Gefühle während meines Austauschs. Zu den schönsten Momenten meines Jahres gehörten definitiv die Aktivitäten mit Rotary. Die Wochenenden, Ausflüge und Reisen ermöglichten es mir, viele neue Orte kennenzulernen und andere Austauschschüler zu treffen, die ähnliche Erfahrungen machten wie ich. Mit ihnen konnte ich viele schöne Erinnerungen teilen. Außerdem habe ich in der Schule sehr gute Freundinnen gefunden, die meinen Aufenthalt in Deutschland noch besonderer gemacht haben.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich in diesem Jahr gelernt habe, dann ist es vor allem, dass ich viel stärker bin, als ich gedacht hätte. Ich habe gelernt, selbstständiger und reifer zu sein und meine Probleme eigenständig zu lösen. Außerdem habe ich mich an neue Situationen angepasst, meine Familie mehr zu schätzen gelernt und die kleinen Dinge im Alltag bewusster wahrgenommen. Jetzt, da sich mein Austauschjahr dem Ende nähert, fühle ich mich gleichzeitig glücklich und traurig. Glücklich, weil ich eine einzigartige Erfahrung machen durfte und einen Traum verwirklicht habe, der lange Zeit weit weg schien. Aber auch traurig, weil ich mir hier ein Leben aufgebaut habe, Freunde gefunden habe und mich inzwischen sehr verbunden fühle – und nun Abschied nehmen muss.

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob sich ein Austausch lohnt, würde ich ohne zu zögern „ja“ sagen. Es ist nicht immer einfach und es gibt schwierige Momente, aber jede Herausforderung lohnt sich. Dieses Jahr hat mir nicht nur eine neue Sprache oder Kultur gezeigt, sondern mich auch als Person wachsen lassen und mir gezeigt, dass es sich lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen. Deutschland wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Dieses Austauschjahr endet, aber alles, was ich gelernt habe, die Menschen, die ich kennengelernt habe, und die Erinnerungen werden mich mein Leben lang begleiten.

Maria Fernanda Tacas Muñoz