Model United Nations in Bath, UK

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Am 06.03.2020 machte sich eine Gruppe von ambitionierten Schülerinnen und Schülern der EF und Q1 in Begleitung von Frau Julia Sondermann und Frau Ruhnke auf den Weg nach Bath in England. Teil dieser Gruppe waren Antonia Esser, Johanna Günther, Laura Müller, Mitra Popovic, Mihajlo Popovic, Eren Polatkan, Theo Vogt und Hong Wang. In Bath fanden nämlich die alljährlichen “Model United Nations” Konferenzen statt. Solche Veranstaltungen gibt es seit einigen Jahren überall auf der Welt. In Anlehnung an die Konferenzen der Vereinten Nationen, bei denen Vertreter von beinah allen Staaten der Welt zusammenkommen, um gemeinsame Lösungen für internationale Probleme zu finden, treffen sich Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen, häufig sogar aus verschiedenen Ländern, und beraten und diskutieren über aktuelle Themen aus der Weltpolitik. Da die zahlreichen Themen unterschiedlicher Natur sind gibt es verschiedene Komitees wie beispielsweise das “Human Rights Committee” oder das “Middle East Committee”. In jedem dieser Komitees sitzt dann ein Schüler oder eine Schülerin als Delegierter eines der teilnehmenden Länder. Dabei entspricht die tatsächliche Herkunft der Schülerinnen und Schüler jedoch in der Regel nicht den von ihnen vertretenen Ländern. Nach der Anmeldung der Schülerdelegation bei den “Model United Nations” bekommen sie Länder zugeteilt und vertreten dann später in den Debatten die Interessen dieser. Die Schüler des MPGs bekamen die Länder Jamaica und Bahrain zugeteilt. Während Hong, Antonia, Theo und Mitra das Team Jamaika bildeten, fügten sich Johanna, Laura, Eren und Mihajlo zum Team Bahrain zusammen.

Wie auch letztes Jahr, als Schüler des MPG an der MUN-Konferenz in Triest, Italien teilnahmen, planten Frau Julia Sondermann und Frau Latzke unsere Reise, bereiteten uns auf das Erlebnis vor und versuchten, so viel Wissen wie möglich an uns weiterzugeben. Da uns Frau Latzke dieses Jahr leider nicht begleiten konnte, erklärte sich Frau Ruhnke bereit, als Unterstützung mit nach Bath zu fliegen.

Nachdem wir sicher in unserem Hotel in Bath angekommen waren, sollten wir uns direkt frisch machen und unsere formelle Kleidung für den ersten Tag an der “Kingswood School” anziehen. Wie auch bei den Konferenzen der Vereinten Nationen ist es nämlich Pflicht, sich an gewisse Kleidungsvorschriften zu halten. So ist es z. B. verboten, eine Jeans oder Sneaker zu tragen.

Der erste Abend diente hauptsächlich dazu, sich erstmal mit der Schule, den Komitees und der Veranstaltung generell vertraut zu machen. Nach einer offiziellen Begrüßung für alle TeilnehmerInnen im Theater der Schule folgte das Kennenlernen des eigenen Komitees. Weil die Schüler des MPGs aufgeteilt worden sind und nicht alle Teil eines einzigen Komitees waren, hieß es für uns vorerst Abschied von unseren Lehrerinnen und MitschülerInnen zu nehmen. Die meisten von uns hatten allerdings das Glück, in einem Komitee zu sein, in dem sowohl Jamaica als auch Bahrain vertreten waren. So waren Eren und Hong zusammen im „Economic Committee“, Laura und Theo zusammen im “Human Rights Committee” und ich (Mitra) und Johanna zusammen im “Health Committee”. Ziel des ersten Abends war aber neben dem Kennenlernen auch das Vorstellen der “Resolution Paper” in den jeweiligen Komitees. Bei diesen handelt es sich um Lösungsansätze für vorher festgelegte Weltprobleme, die eine Delegation einreicht. Weil aber nicht über alle Lösungsvorschläge diskutiert werden kann, ging es erstmal darum, als Delegation für seine Lösungen so viele Unterstützer wie möglich zu ergattern. In unserem Komitee, dem “Health Committe”, waren die Themen, zu welchen man sich informieren sollte: der Kampf gegen Krebs, psychische Gesundheit und Antibiotikaresistenz. Auch wir, als Delegierte Jamaicas und Bahrains, schafften es, unsere “Paper” einzureichen, da wir genug Unterstützer hatten. Es bedeutete aber nicht, dass über alle “Paper”, die eingereicht worden sind, auch am nächsten Tag gesprochen worden ist. Ganz im Gegenteil – über einen Bruchteil dieser konnte der Zeit wegen dann tatsächlich debattiert werden. Wir müssen zugeben, dass wir alle nach dem ersten Abend ziemlich überrascht waren, wie leicht es uns letztendlich fiel, uns frei mit den Engländern zu unterhalten und für unsere Resolutionen zu werben.

Am zweiten Tag ging es dann früh los: Um 9:30 Uhr trafen wir uns wieder an der “Kingswood School”, jeder in seinem Komitee, und die richtigen Debatten begannen. Damit diese auch geregelt verlaufen konnten gab es in jedem Komitee den sogenannten “Chair”, circa drei Schüler und/oder Schülerinnen, die den Delegierten das Wort erteilten und die Debatte leiteten und darauf achteten, dass die zahleichen Gesprächsregeln eingehalten wurden. Im Environment Committee drehte sich beispielsweise die erste Debatte um das internationale Problem des Elektroschrotts. Der Delegierte, dessen “Resolution Paper” zu diesem Thema ausgewählt worden war, stellte dies den anderen in einer kurzen Rede vor. Danach konnten sich die anderen Delegierten mit ihrem Schild, auf dem der Name ihres Landes stand, melden und Fragen stellen oder Anmerkungen machen. Es bestand ebenfalls die Möglichkeit, ein sogenanntes “Amendment”, eine Änderung der “Resolution” abzugeben, über die ebenfalls noch einmal diskutiert wurde. Es kam jedes Mal zu zahlreichen Beiträgen und hitzigen Diskussionen bis schlussendlich nach etwa einer Stunde abgestimmt wurde, ob die “Resolution” verabschiedet werden sollte oder nicht. Danach ging es dann weiter mit dem nächsten Thema. Die ganze Zeit über blieben alle in ihren Rollen und es wurde ernst debattiert. Nachdem, nur von einer kurzen Mittagspause in der Kantine unterbrochen, zu jedem Thema mindestens ein “Resolution Paper” diskutiert wurde, wurde es dann jedoch ein wenig lustiger. Nun wurden innerhalb des Komitees lustige Preise vergeben, zum Beispiel für den besten Delegierten, das beste Outfit oder für den Delegierten mit dem höchsten Potenzial zum Diktator. Gegen 17 Uhr endete dann die Konferenz und wir machten uns auf den Weg ins Hotel, um uns umzuziehen und erkundeten anschließend Bath.

Während der erste Teil des dritten Tages genauso ablief wie auch der zweite Tag, wurde es zum Ende hin immer interessanter und lustiger. Den Abschied von dem eigenen Komitee planten die jeweiligen “Chairs” des Komitees. Im “Health Committee” wurde zum Beispiel eine “Joke Resolution” (=Witz-Lösungsansatz) erstellt, über diesen sollten wir dann diskutieren. Dabei ging es nicht darum, die sinnvollsten und diplomatischsten Lösungen zu finden, sondern die, über die man am meisten lachen würde. Deshalb war auch ein Vorschlag in der Debatte über Corona, dass man das “Corona”-Bier abschafft, um Verwirrungen zu vermindern. [Hier muss ich jedoch erwähnen, dass die Umstände zur Zeit der Veranstaltung nicht dieselben waren, wie sie es jetzt sind und es natürlich keinem weiterhilft, über so ein Thema zu spaßen.] Mit dem Abschied vom Komitee war der Tag aber nicht getan, denn die große “General Assembly” stand an. Alle Delegierten aus allen Komitees kamen in der Sporthalle der Schule zusammen. Dort wurde uns eine fiktive Notfallsituation präsentiert: Es ging um den Kaschmirkonflikt zwischen Indien und Pakistan und eine mögliche Eskalation. Nachdem jedem Delegierten eine Beschreibung der Situation ausgehändigt wurde, ging es darum, mit den anderen Delegierten des eigenen Landes einen Lösungsvorschlag zu entwickeln. Für diesen musste man dann eine bestimmte Anzahl an Unterstützern finden, um sie, wie die anderen “Resolution Papers” zuvor auch, zur Debatte einreichen zu können. Es war ein ziemliches Gewusel mit allen Delegierten in einem Raum und da jedes Land nur ein einziges weiteres Land mit einer Unterschrift unterstützen konnte, bemühten sich alle sehr, an eine solche Unterschrift zu gelangen. Nachdem eine gewisse Anzahl von “Resolution Papers” eingereicht wurde, begaben sich alle nochmal in das Theater der Schule. Dort fand dann eine solche Debatte, wie wir sie von unseren Komitees kannten, mit allen Delegierten statt. Nach dieser lebhaften letzten Debatte begann dann die “Closing Ceremony“. Alle “Chairs” hielten eine kurze Rede mit den Highlights der letzten drei Tage und als letztes fand die Siegerehrung für die besten Delegierten statt. So endeten die diesjährigen “Model United Nations” in Bath, in denen wir viel gelernt und genauso viel Spaß hatten.

Diesen Artikel verfassten Antonia Esser und Mitra Popovic. Während Antonia Teil des “Environment Committee`s” war, gehörte Mitra zum “Health Committee”.